Riesenkalmare - Giganten der Tiefsee

Die Riesentintenfische gehören zu den großen Geheimnissen des Ozeans

02.11.2009 Constanze Ließ

Riesiege Kalmare gehören zu den faszinierendsten Kreaturen der Ozeane. Das Wissen um die Riesenkalmare in der Tiefsee nährt aber auch den Ehrgeiz der Forscher.

Obwohl die Existenz der sagenumwobenen Riesenkalmare als erwiesen gilt, ist von ihnen nicht mehr bekannt als von den meisten anderen Tiefseewesen. Doch hat vor allem das letzte Jahrzehnt die Forschung weit vorangebracht. Nach vielen erfolglosen Versuchen konnten die rätselhaften Giganten inzwischen sogar gefilmt werden.

Der Riesenkalmar - Geheimnisvoller Architeuthis

Fast das gesamte Wissen über die Riesenkalmare wurde aus toten Exemplaren gewonnen. Die Beobachtung in ihrem natürlichen Lebensraum ist äußerst schwierig und gefangene Tiere verenden in kürzester Zeit.

Der Mageninhalt der toten Exemplare gab preis, dass sie sich von Fischen und kleineren Verwandten ernähren. Wahrscheinlich spielen dabei die beiden Fangarme eine entscheidende Rolle, während die kleineren Arme die Beute später festhalten. Der äußerst kräftige Schnabel dient zum Zerkleinern.

Man weiß heute von drei Arten der Gattung Architeuthis. Der Atlantische Riesenkalmar Architeuthis dux ist der Vertreter in den Gewässern von Kanada, Neufundland und Norwegen. Auf der Südhalbkugel bewohnt der Südliche Riesenkalmar Architeuthis sanctipauli die Dämmerzone der antarktischen Meere in bis zu 800 Metern Tiefe. Im Nordpazifik wurde noch eine weitere Art entdeckt, Architeuthis martensi.

Das in ihrem Gewebe gelöste Ammoniumchlorid hilft den massigen Tieren ihren Auftrieb zu halten. Es ist auch für den äußerst unangenehmen Geruch toter Kalmare verantwortlich.

Bis heute ist ein 1880 in Neuseeland angespültes Exemplar das größte, was je vermessen wurde. Einschließlich der Fangarme maß es beeindruckende 20 Meter und wog fast eine Tonne. Noch größere Tiere hält man für möglich.

Forschung nach dem Riesenkalmar in der Tiefsee

Wie ihre kleineren Verwandten gelten die Riesenkalmare als sehr intelligent, ihr Gehirn ist von allen Wirbellosen am weitesten entwickelt. Zudem können sie ausgezeichnet sehen. Dies mag neben ihrem düsteren Lebensraum in der Tiefsee einer der Gründe sein, warum ihre Erforschung so schwierig ist. Expeditionen in ihr dunkles Reich werden immer wieder zur Geduldsprobe für die Wissenschaftler mit nicht selten magerem Ausgang. Während einer Forschungsreise mit einem Spezial-U-Boot im 1.750 Meter tiefen Kaikoura-Graben vor Neuseeland Ende der 90er Jahre schwamm im Zeitraum von zwei Monaten kein einziger Kalmar vor die Linse der Hightech-Kameras.

Auch der Versuch, Pottwale mit Kameras auszustatten, war nicht von Erfolg gesegnet. Die Vorliebe der besonders tief tauchenden Meeressäuger für Kalmare ist seit langem bekannt, jedoch begegneten die „Versuchskaninchen“ während des Testzeitraums keinem einzigen Exemplar der vielarmigen Lieblingsspeise.

Erkenntnisse des letzten Jahrzehnts – Riesenkalmare auf Foto und Film

2004 gelang es dem Team um den japanischen Forscher Kudobera erstmalig die lebende Legende in seinem Lebensraum zu fotografieren. Im Dezember 2006 war es nach jahrelanger Suche demselben Forscherteam zum ersten Mal vergönnt, einen lebenden Riesenkalmar zu fangen und zu filmen. Das knapp sieben Meter lange Tier verfing sich in der Nähe der Insel Chichijima im Japanischen Meer in den Fangleinen des Schiffes.

Schließlich am 15. Oktober 2009 wurde erstmalig ein Pottwal mit den Überresten eines neun Meter langen Riesenkalmars im Maul fotografiert. Die sensationellen Bilder eines weiblichen Pottwals, das von einem Kalb und vier weiteren adulten Tieren begleitet wurde, gelangen im Nordpazifik nahe der japanischen Bonin Islands. Es macht den Eindruck, dass die erwachsenen Wale dem Jungtier die Jagd nach den Kalmaren beibringen würden. Das Pottwalweibchen behielt die Überreste ihrer Beute im Maul, um gelegentlich davon zu fressen.

Lesen Sie dazu auch über Legenden zu Riesenkalmaren und -kraken sowie zu ihrem Reich, der Tiefsee.

Quellen:

  • Mythos Meer,Monika Rößiger / Claus-Peter Liecktfeld, BLV-Verlag, ISBN 3-405-16610-1
  • National Geographic, 29.09.2009
  • National Geographic, 22.12.2006

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